So vermeiden Sie Ausfälle bei IoT-, M2M- und Mobilfunkanwendungen
Stand: Juli 2026
Mehr als drei Jahrzehnte lang war 2G eine feste Größe im Mobilfunk. Die bevorstehende 2G-Abschaltung im Jahr 2028 stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Dort verrichten ältere Kommunikationsmodule oft über viele Jahre unbemerkt ihren Dienst – in Maschinen, Alarmanlagen, Aufzügen, Fahrzeugen oder anderen vernetzten Systemen.
Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland haben angekündigt, ihre 2G-Netze im Laufe des Jahres 2028 abzuschalten. Für Unternehmen beginnt deshalb spätestens jetzt die entscheidende Phase: Sie müssen herausfinden, wo noch Abhängigkeiten von 2G bestehen. Die eigentliche Herausforderung ist häufig nicht die technische Migration an sich – zunächst muss klar sein, welche Geräte, SIM-Karten, Tarife und Anwendungen betroffen sind.
Es geht darum, alle relevanten Geräte und Prozesse zu identifizieren, die noch auf dieser älteren Mobilfunktechnologie basieren. Eine frühzeitige und umfassende Analyse ist entscheidend, um Betriebsunterbrechungen zu vermeiden und die Migration erfolgreich zu gestalten.
Das Wichtigste in Kürze
›Die deutschen 2G-Netze werden 2028 abgeschaltet. Die Telekom plant das Ende bis Ende Juni 2028, Vodafone bis Ende September 2028, Telefónica Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2028.
›Betroffen sein können vor allem ältere IoT- und M2M-Anwendungen sowie fest verbaute Kommunikationsmodule. Auch einzelne 4G-Geräte können betroffen sein, wenn sie für Sprachtelefonie noch auf 2G zurückfallen und kein VoLTE unterstützen.
›Ein einfacher Austausch der SIM-Karte reicht nicht in jedem Fall aus. Je nach Anwendung kommen 4G/LTE, 5G, LTE-M oder Narrowband-IoT als Nachfolgetechnologien infrage.
›Unternehmen mit größeren Geräte- und SIM-Beständen sollten nicht bis 2028 warten, sondern jetzt mit der Bestandsaufnahme beginnen.
Wann erfolgt die 2G-Abschaltung in Deutschland ?
Inzwischen haben alle drei Betreiber eigener 2G-Netze in Deutschland einen Zeitrahmen für die 2G-Abschaltung veröffentlicht:
| Netzbetreiber | Geplante 2G-Abschaltung |
| Deutsche Telekom | bis Ende Juni 2028 (30.06.2028) |
| Vodafone | bis Ende September 2028 |
| Telefónica Deutschland (O2) | zweite Jahreshälfte 2028, spätestens bis Ende 2028 |
Vodafone sieht darüber hinaus für bestimmte kritische IoT-Anwendungen eine begrenzte Übergangsmöglichkeit bis zum 31. Dezember 2030 vor. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein reguläres Standardangebot: Nach Angaben des Unternehmens sind dafür eine vorherige Prüfung und ein separater Vertrag erforderlich.
Für Unternehmen bedeutet das: 2028 ist kein gemeinsamer, bundesweiter Stichtag, auf den man sich pauschal einstellen kann. Der konkrete Handlungsbedarf hängt vom genutzten Netz, von der Anwendung und von der eingesetzten Technik ab.
Warum wird 2G überhaupt abgeschaltet?
2G, auch GSM genannt, wurde ursprünglich vor allem für mobile Telefonie und SMS entwickelt. Für die heutige datenintensive Kommunikation stehen mit 4G und 5G wesentlich leistungsfähigere Technologien zur Verfügung. Gleichzeitig sind Mobilfunkfrequenzen eine begrenzte Ressource. Werden Frequenzbereiche nicht mehr für 2G benötigt, können Netzbetreiber diese für modernere Mobilfunktechnologien einsetzen. Die Bundesnetzagentur bewertet die Abschaltung älterer Technologien nach dem Ende ihres Lebenszyklus deshalb grundsätzlich als sinnvoll, sofern negative Auswirkungen auf die Nutzer möglichst vermieden werden.
Für die meisten Menschen wird die Umstellung relativ unspektakulär verlaufen. Moderne Smartphones nutzen längst 4G oder 5G und unterstützen in der Regel auch Telefonie über LTE (VoLTE). Im Unternehmensumfeld lohnt sich allerdings ein genauerer Blick.
Welche Geräte und Anwendungen können von der 2G-Abschaltung betroffen sein?
Ein Smartphone wird typischerweise nach einigen Jahren ersetzt. Bei einem fest verbauten Kommunikationsmodul kann der Lebenszyklus dagegen erheblich länger sein. Genau deshalb kann sich 2G noch an Stellen befinden, an denen niemand mehr aktiv damit rechnet. Betroffen sein können beispielsweise:
- Ältere IoT-Sensoren und M2M-Module
- Telemetriesysteme
- Alarm- und Sicherheitstechnik
- Aufzugs- und Notrufsysteme
- Tracking- und Ortungslösungen
- Automaten und Terminals
- Gateways und Mobilfunkrouter
- Fahrzeug- und Flottenlösungen
- Mess- und Steuerungstechnik
Nicht jedes Gerät aus diesen Kategorien nutzt automatisch noch 2G. Genau das macht die Aufgabe jedoch anspruchsvoll: Von außen ist häufig nicht unmittelbar erkennbar, über welche Mobilfunktechnologie ein Gerät tatsächlich kommuniziert.
Warum auch 4G-Geräte geprüft werden müssen
Ein häufiges Missverständnis lautet: Unterstützt ein Gerät 4G, kann die 2G-Abschaltung kein Problem sein. Ganz so einfach ist es nicht. Einzelne Geräte nutzen 4G zwar für die Datenübertragung, greifen für Sprachtelefonie jedoch weiterhin auf das 2G-Netz zurück. Dieser sogenannte Fallback wird mit der Abschaltung nicht mehr möglich sein. Für Geräte mit Sprachfunktion sollte deshalb geprüft werden, ob sie Voice over LTE (VoLTE) unterstützen und entsprechend konfiguriert sind. Die Bundesnetzagentur weist ausdrücklich darauf hin, dass auch vereinzelte 4G- und 5G-Geräte betroffen sein können, wenn sie keine Sprachdienste über LTE unterstützen.
Wichtig zu wissen
4G-fähig heißt nicht automatisch 2G-sicher: Manche Geräte fallen für Sprachanrufe auf 2G zurück. Prüfen Sie deshalb, ob sie VoLTE unterstützen – sonst kann die Telefonie nach der Abschaltung ausfallen.
Wie finden Unternehmen heraus, ob sie noch 2G nutzen?
Bei wenigen Mobilfunkgeräten lässt sich die Situation vergleichsweise schnell prüfen. Bei Hunderten oder Tausenden SIM-Karten, Geräten und vernetzten Anlagen wird die Bestandsaufnahme deutlich komplexer. Aus unserer Sicht sollte eine 2G-Analyse deshalb nicht bei der Frage „Wie viele SIM-Karten haben wir?“ enden. Entscheidend ist die gesamte Kette:
Gerät → Kommunikationsmodul → SIM-Karte → Tarif → Mobilfunknetz → Anwendung → Kritikalität
Ein strukturiertes Vorgehen kann in fünf Schritten erfolgen:
1. Geräte und Anwendungen inventarisieren
Alle mobilfunkbasierten Anwendungen erfassen – deutlich weiter gedacht als Smartphones, Tablets und klassische Router. Besonders fest installierte Systeme werden bei Mobilfunkinventuren leicht übersehen. Wichtig: Welche Geräte kommunizieren über Mobilfunk? Wo befinden sie sich? Welche Aufgabe erfüllen sie? Wer ist intern verantwortlich? Wann wurde die Technik zuletzt erneuert?
2. SIM-Karten den Anwendungen zuordnen
Eine Liste aller aktiven SIM-Karten ist hilfreich – noch wichtiger ist die Zuordnung: Welche SIM steckt in welchem Gerät, an welchem Standort, für welche Anwendung? Fehlt diese Transparenz, wird aus der Migration schnell ein aufwendiges Suchprojekt. Technische Inventardaten und kaufmännische Vertragsdaten sollten zusammengeführt werden.
3. Hardware und Funkmodule prüfen
Unterstützt das Gerät ausschließlich 2G? Kann es LTE nutzen? Welche Frequenzen? Ist bei Sprachdiensten VoLTE möglich? Lässt sich nur das Kommunikationsmodul tauschen oder das ganze Gerät? Bei älteren Maschinen sollte geklärt werden, ob der Hersteller noch Nachrüstoptionen anbietet.
4. SIM-Karten, Tarife und Provider überprüfen
Auch ältere SIM-Karten oder Tarife können zum Problem werden. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass neben dem Endgerät auch Tarif und SIM-Karte für moderne Mobilfunkstandards geeignet sein müssen. Werden mehrere Provider eingesetzt, sind unterschiedliche Migrationspfade und Zeitpläne relevant – hier lohnt der Blick auf die passenden Konditionen für Mobilfunk Geschäftskunden.
5. Kritikalität und Prioritäten festlegen
Nicht jede 2G-Verbindung ist gleich wichtig. Der Ausfall eines selten genutzten Trackers hat andere Folgen als der eines Notrufsystems oder einer produktionskritischen Steuerung. Bewerten Sie: Welche Folgen hätte ein Verbindungsabbruch? Gibt es Alternativen? Wie schnell ließe sich ein Gerät austauschen? Sind Wartungsfenster zu berücksichtigen? Daraus lässt sich eine sinnvolle Migrationsreihenfolge ableiten.
Praxis-Tipp
Denken Sie über SIM-Karten und Smartphones hinaus: Gerade fest verbaute Systeme wie Aufzugsnotrufe, Alarmtechnik oder Steuerungen nutzen oft unbemerkt noch 2G und werden bei Inventuren leicht übersehen.
Reicht es, eine alte SIM-Karte auszutauschen?
Nein, nicht zwangsläufig. SIM-Karte, Mobilfunktarif und Endgerät sind drei unterschiedliche Komponenten. Eine moderne SIM-Karte macht ein reines 2G-Funkmodul nicht automatisch LTE-fähig. Umgekehrt kann ein Gerät moderne Standards unterstützen, während eine alte SIM-Karte, ein ungeeigneter Tarif oder eine falsche Konfiguration die Nutzung einschränkt. Deshalb sollte immer die gesamte technische und vertragliche Konstellation betrachtet werden.
Bei IoT- und M2M-Anwendungen kommen weitere Faktoren hinzu – etwa APN-Konfigurationen, Roaming-Anforderungen, Sicherheitsvorgaben oder die Anbindung an bestehende Plattformen und Backend-Systeme. Die Migration kann deshalb von einem einfachen SIM- oder Hardwaretausch bis hin zu einer umfangreicheren technischen Umstellung reichen.
Welche Technologien können 2G ersetzen?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht – die passende Nachfolgetechnologie hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab. Telekom und Vodafone nennen LTE-M und Narrowband-IoT ausdrücklich als mögliche moderne Technologien für IoT- und M2M-Anwendungen.
| Technologie | Typischer Einsatzbereich | Stärken |
|---|---|---|
| 4G / LTE | Router, Gateways, klassische Datenanwendungen | Hohe Verfügbarkeit, VoLTE-Telefonie |
| 5G | Hohe Datenraten, geringe Latenz, Zukunftssicherheit | Leistungsstark, langfristig ausbaufähig |
| LTE-M | Mobile IoT-Geräte, regelmäßige kleine Datenmengen | Energieeffizient, IoT-optimiert |
| Narrowband-IoT | Stationäre Sensorik, Mess- und Zählersysteme | Sehr geringer Datenbedarf, gute Durchdringung |
Der entscheidende Punkt: Die beste Nachfolgetechnologie ist nicht automatisch die neueste Technologie. Sie ist diejenige, die technisch und wirtschaftlich zum jeweiligen Anwendungsfall passt.
Warum Unternehmen nicht bis 2028 warten sollten
Auf den ersten Blick sind zwei Jahre Vorlauf eine lange Zeit. Bei einem einzelnen Smartphone mag das stimmen – bei einer größeren IoT- oder M2M-Landschaft sieht die Situation anders aus. Vor einer Migration müssen Geräte identifiziert, technische Dokumentationen geprüft und Verantwortlichkeiten geklärt werden. Anschließend folgen Produktauswahl, Tests, Beschaffung und Roll-out. Bei fest installierter Technik können Vor-Ort-Termine nötig sein; hinzu kommen Lieferzeiten und Vertragslaufzeiten.
Besonders bei geschäftskritischen Anwendungen sollte die neue Lösung nicht erst kurz vor der 2G-Abschaltung erstmals getestet werden. Deshalb gilt: 2028 ist der Abschaltzeitraum – nicht der Starttermin des Migrationsprojekts. Die Netzbetreiber selbst raten Betreibern älterer IoT- und M2M-Lösungen zu einer frühzeitigen Umstellung. Die Telekom weist zudem darauf hin, dass ein rechtzeitig geplanter Austausch bei Anlagen mit langen Servicezyklen kostengünstiger erfolgen kann.
Die Migration ist auch eine Chance zur Optimierung
Die notwendige Bestandsaufnahme bietet Unternehmen die Gelegenheit, ihre Mobilfunklandschaft grundsätzlich zu hinterfragen. Wenn SIM-Karten, Geräte, Anwendungen und Verträge ohnehin analysiert werden, sollten nicht nur technische Abhängigkeiten betrachtet werden:
- Werden alle aktiven SIM-Karten tatsächlich noch genutzt?
- Passen bestehende Tarife zum realen Datenverbrauch?
- Gibt es überholte oder unnötige Tarifoptionen?
- Werden für internationale Anwendungen die richtigen Roaming- und IoT-Konzepte genutzt?
- Lassen sich Hardwareaustausch und Vertragsoptimierung miteinander verbinden?
Eine technisch notwendige Migration kann damit zum Ausgangspunkt für eine insgesamt transparentere und wirtschaftlich bessere Mobilfunkstruktur werden – etwa im Rahmen einer
gezielten Mobilfunk-Optimierung für Unternehmen. Die bessere Frage lautet deshalb nicht „Wie ersetzen wir 2G?“, sondern „Wie soll unsere mobile Kommunikationslandschaft in den nächsten Jahren aussehen?“
Checkliste: 2G-Abschaltung
✓Umfassende Bestandsaufnahme aller SIM-Karten, Geräte und Anwendungen durchführen.
✓Technische Spezifikationen der Endgeräte auf 2G-Abhängigkeit prüfen (inkl. VoLTE bei Sprachgeräten).
✓Mit Providern über Abschalttermine und Migrationsoptionen sprechen.
✓Kritikalität bewerten und Migrationsreihenfolge festlegen.
✓Budget und Zeitplan für Hardware-Austausch und Migration festlegen.
✓Geeignete Ersatztechnologie (4G, 5G, LTE-M, NB-IoT) je Anwendungsfall auswählen.
✓Die Migration als Chance zur Optimierung von Tarifen und Verträgen nutzen.
2G-Migration: So unterstützt MPC Unternehmen
Unternehmen mit größeren Mobilfunk-, IoT– und M2M-Landschaften stehen bei der 2G-Abschaltung vor einer besonderen Herausforderung: Technische Abhängigkeiten, SIM-Karten, Provider und Verträge müssen gemeinsam betrachtet werden. Genau hier setzt MPC an.
Als anbieterneutraler Connectivity-Experte unterstützen wir Unternehmen dabei, Transparenz in bestehende Mobilfunkstrukturen zu bringen, Handlungsbedarf zu identifizieren und passende Lösungen am Markt zu vergleichen. Dabei betrachten wir nicht nur die technische Seite. Wir kennen die Anbieter, Produkte und Preise und können eine anstehende Migration deshalb auch mit der Optimierung bestehender Provider- und Vertragsstrukturen verbinden.
Das Ziel ist keine 5G-Lösung um jeden Preis und auch kein pauschaler Providerwechsel. Entscheidend ist eine Lösung, die zur jeweiligen Anwendung, zur Unternehmensstruktur und zu den wirtschaftlichen Anforderungen passt.
Wissen Sie, welche Geräte und Anwendungen in Ihrem Unternehmen noch von 2G abhängig sind?
Wir unterstützen Sie bei der Analyse Ihrer bestehenden Mobilfunklandschaft und bei der Entwicklung einer technisch und wirtschaftlich sinnvollen Zielstruktur – unabhängig vom Netzbetreiber:
Autor
Franz Schulze Sprakel
Geschäftsführer MPC Mobilservice GmbH
Franz Schulze Sprakel besitzt umfangreiche Erfahrung in der Beratung und Betreuung von Großkunden mit Fokus auf dem Thema mobile Kommunikation. Kunden profitieren von seiner umfassenden Kenntnis des Mobilfunkmarktes und der Provider-/Dienstleisterlandschaft sowie von seinem breiten technischen Know-how im Bereich mobiler Kommunikationslösungen. Zusätzlich bringt er spezialisiertes Expertenwissen im Mobile Lifecycle Management mit. Jetzt auf LinkedIn vernetzen.
